Sonntag, 24. April 2016

Alle Neune und ein Schwein zur Geisterstunde

Da meine Freundin seit Mittwoch mit ihren Mädels im Urlaub ist, hatte ich Abends viel Zeit, was ich natürlich gerne für die Jagd nutzen wollte.
Dies hieß also, dass ich, nachdem ich die Mädels zum Flughafen gefahren hatte zum Ansitz bei 99% Mond begeben werde.
Ich wollte mich an ein relativ frisch eingesätes Maisfeld setzen, da wir festgestellt hatten, dass die Sauen dort schon einmal kurz waren und ein paar Reihen aufgewühlt hatten, jedoch konnte ich in der Zeit von 21:30 bis ca. 1 Uhr, außer einem im weiter entfernten Wald schreckenden Reh und mehreren Hasen auf dem Feld, kein Wild hören bzw. sehen. Ich machte mich also auf den Weg und pirschte zu dem Feld, auf dem wir schon einen hohen Wildschaden zahlen mussten, aber auch hier war nichts zu sehen.
Schade, aber so ist das eben.
Auf dem Heimweg sammelte ich noch einen angefahrenen Feldhasen ein.
Am Donnerstag saß ich wieder um die gleiche Uhrzeit an, konnte diesmal aber gar nichts sehen.
Am Freitag setzte sich mein Vater ebenfalls ca. 300 m von mir, an einem anderen Feld an. Ich hörte gegen 23:30 und 0:30 jeweils einen Schuss aus verschiedenen Richtungen und hoffte natürlich, dass wir bei uns auch Erfolg haben werden, jedoch sollte auch dieser Ansitz „vergeblich“ sein, die Sauen ließen sich nicht blicken.
Als wir dann am Samstag an unsere Kirrung gingen, stellten wir fest, dass die Sauen dort fast den kompletten Weg bis zur Kirrung und die Kirrung selbst, umgegraben hatten. 

 Wir hätten uns nun natürlich am Abend an die Kirrung setzen können, jedoch haben wir beschlossen, den Sauen im Wald Ruhe zu lassen, damit sie nicht doch wieder auf die Felder wechseln. Nachdem wir die Kirrung wieder bestückt hatten wollten wir eigentlich Holz machen, aber das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung... es regnete den kompletten Tag durch. Wir nutzten also das Wetter und kauften Kanthölzer um in nächster Zeit ein paar Hochsitze bauen zu können. Am Feld an dem ich saß war nämlich „nur“ eine mobile Kanzel, welche nicht ganz so fest steht.
Am Abend konnte ich nicht zum Ansitz, da ich mich mit unserem Faschingsverein zur Dorfmeisterschaft im Kegeln angemeldet hatte. Von 20 bis 22 Uhr verbrachten ich also dort um zu kegeln. Mit meinen 90 Holz war ich im guten Mittelfeld gelandet. Zum Abschluss des Abends fuhren wir noch zum McDonalds in die Nachbarstadt, wo ich mir einen Milchshake gönnte :). Auf der Fahrt nach Hause sah ich den wunderschön sichtbaren (nicht mehr ganz) Vollmond. Als ich nun also wieder gegen 23 Uhr zuhause angekommen war entschied ich mich spontan dafür doch noch einmal zu „meinem“ Feld zu gehen, um nach dem Rechten zu sehen. Ich schnappte also meine Büchse und zog mir nur schnell eine Jacke über, da ich nicht damit rechnete, dass es länger dauert und ich eine warme Hose benötigen würde (es hatte 0 Grad), aber ich sollte mich täuschen..........
Gegen 23:30 kam ich am Feld an und glaste es ab. Ich war circa 400 m entfernt und konnte schwarze Flecken auf dem Feld ausmachen, welche die Nächte davor nicht da waren... ich dachte mir nur „das kann doch jetzt nicht wahr sein, da sitzt du 3 Nächte am Feld und nix kommt und wenn du einen Abend mal keine Zeit hast sind se gleich da“, es fing mich leicht an zu frösteln, ich hatte auch nur dünne Turnschuhe an, aber das war egal, da musste ich jetzt durch, wenn ich Jagderfolg haben wollte.
Ich lud meine Waffe, sicherte sie und pirschte mich langsam an, Schritt für Schritt, Meter für Meter, bis ich am Feldweg angekommen war. Ich prüfte immer wieder, ob Sie mich mitbekommen haben, der Wind stand günstig. Als ich auf ca. 200 m herangekommen war konnte ich nun feststellen, dass es 4 recht kleine Überläufer sind, von denen einer gescheckt ist, diesen wollte ich erlegen. Nun machte ich mich also daran mich Ihnen auf dem Feldweg zu nähern, ich prüfte immer wieder, ob sie noch da sind, oder schon in Richtung Wald verschwunden sind.
Als ich auf ca. 150 m dran war, konnte ich sie auf einmal nicht mehr sehen, was mich ärgerte... als ich dann aber ein paar Meter weiter gepirscht war, konnte ich erkennen, dass sie nur hinter einer kleinen Erhebung am Rand des Feldes standen. Ich nahm meine Waffe hoch, legte an...... und musste feststellen, dass die Entfernung für einen sicheren Schuss ohne Pirschstock, also stehend freihändig, doch etwas gewagt ist. Also musste ich noch näher rankommen, gesagt getan.
Ich war jetzt nur noch knapp 75 m entfernt, die Entfernung war perfekt.
Man hatte ich Adrenalin im Blut und war aufgeregt.
So etwas spannendes hatte ich lange nicht mehr erlebt.
Ich nahm meine Waffe hoch, ging ins Ziel auf den Gescheckten.... leider war der Mond aber so hell, dass ich die Konturen nicht klar erkennen konnte, er war einfach zu hell.
Glücklicherweise stand das Wildschwein links von ihm perfekt breit und ich konnte es genau ansprechen, ich zielte nun also knapp hinter den Teller, hielt die Luft an und lies die Kugel fliegen. Ein lauter Knall hallte durch die Nacht. Ich repetierte schnell nach um bei Bedarf einen zweiten Schuss antragen zu können. Dies war aber nicht nötig, ich sah, wie der Körper zu Boden sank und nach kurzem Schlegeln verendete.
Ich zitterte vor lauter Aufregung und Adrenalin(oder war es die Kälte?? :) ) am ganzen Körper.
Ich schrieb, wie auch bei meiner ersten Sau, meinem Vater eine kurze Nachricht mit „Sau tot“, da er ja mittlerweile wusste, dass ich keine Scherze bei sowas machte, fragte er gleich, ob er kommen soll, oder ob ich es alleine schaffe.

Da ich mit dem Auto meiner Freundin unterwegs war, welches zu klein für ein Schweinchen war, musste ich die Autos tauschen.
Wie auch schon bei meinem ersten Reh, war mein Vater auf Geburtstag, was natürlich sofort Gesprächsthema war, als ich Ihn abgeholt hatte.
„Muss ich wohl immer auf Geburtstag gehen, wenn du jagen gehst??“ ;)
Wir fuhren zum Feld und luden die kleine Überläuferbache ein. Da es mitten auf dem Feld war konnte ich ihr leider keinen letzten Bissen geben, da weit und breit nichts in Reichweite war..

An unserem Zerwirkraum angekommen übernahm mein Vater die Leitung und wir entnahmen die Innereien, sie war nicht tragend, was ich mir bei der schwachen Statur auch nur schwer vorstellen konnte und mich natürlich freute. Sie wiegt 26 kg und hat keinen Feist. Nachdem wir sie also versorgt hatten, hängten wir sie in die Kühlung und reinigten alles. Ich fuhr meinen Vater wieder zum Geburtstag und fuhr wieder nach Hause, als ich die Hauptstraße überqueren wollte sah ich knapp 200 m nach dem Ortsausgang Blaulicht auf unserer Revierseite der Straße. Ich zögerte nicht lange und fuhr hin. Dort angekommen musste ich feststellen, dass Ein Auto einen Fuchs angefahren hatte und dieser im Graben auf der Seite des Nachbarreviers landete. Ich unterhielt mich kurz mit der Polizei und verständigte den Reviernachbar.
Nun war es aber wirklich an der Zeit schlafen zu gehen, es war mittlerweile kurz nach halb 2.
Was für ein wahnsinns Jagderlebnis, an das ich mich bestimmt auch noch lange zurückerinnern werde.

Ich wünsche euch weiterhin viel Waidmannsheil und freue mich auf die am kommenden Sonntag beginnende Bockjagd.

Euer Karsten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen