Mittwoch, 2. Dezember 2015

Jägerprüfung bestanden - Rückblick zum Ablauf

Endlich ist es soweit.
Ich hab meine Jägerprüfung bestanden.
Ich war natürlich wahnsinnig aufgeregt und dementsprechend auch schon früh wach.
Nach einer Dusche und einem kleinen Frühstück hatte ich immer noch genug Zeit,
bis mich mein Fahrer und Mitprüfling Philipp abholen wollte. Also hab ich noch etwas die Wohnung aufgeräumt, was meine Freundin denke ich auch freute ;).
Auf dem Weg zum Prüfungsstandort unterhielten wir uns über Gott und die Welt, da wir beide sehr angespannt und nervös waren, da es bei uns beiden ja das 2. Mal war, dass wir in der Handhabung geprüft werden. Ich hatte im September vor Aufregung die Lauffreiheit beim Drilling vergessen, Philipp hatte eine Ladehemmung bei der Pistole und nicht sofort gesichert. Dies sind beides 1er Fehler, was ein Durchfallen durch die Prüfung bedeutet. Als wir dann gegen 9:30 am Schützenhaus angekommen waren empfing uns auch schon der Mitarbeiter der Forstschule Lohr. Der Mann ist wirklich klasse und weiß genau wie man mit nervösen Prüflingen umgehen muss. Nachdem die Personalien etc. überprüft waren hatten wir immer noch ewig Zeit, da vor mir noch 3 andere aus unserem Kurs geprüft werden sollten. Um kurz nach 11 Uhr war es endlich bei mir soweit, die 3 vor mir hatten alle bestanden, ich war also im Zugzwang.
Als erstes hatte ich den Repetierer vor mir. Dieser war entsichert und entspannt, was ich nicht sehen konnte war, ob die Waffe eingestochen war, oder ob sich Patronen im Patronenlager bzw. im Lauf befinden. Ich sollte die Waffe aufnehmen und Sicherheit herstellen. Also ging es mit dem einstudierten Ablauf los.
SICHERN, BRECHEN, ENTSTECHEN, LAUFFREIHEIT, KALIBER.
Danach wurde ich auf eine fiktiven Ansitz geschickt, lud die Waffe und sollte einen Hochsitz besteigen.
Wenn man einen Hochsitz besteigt oder ein Hindernis überwindet muss man die Waffe entladen bzw. unterladen (je nach Situation). Auf dem Hochsitz angekommen muss man eine erneute Sicherheitsüberprüfung durchführen, da man beim besteigen des Hochsitzes an einem Ast oder ähnlichem hätte hängen bleiben können und die Waffe sich einsticht, oder Dreck in den Lauf kommen könnte. Ablauf siehe oben nur ohne Kaliberbestimmung ;). Nun kam also eine Rotte Wildschweine aus welcher ich einen Frischling beschießen sollte. Der Frischling stand breit und verhoffte, ich sollte also mit Stecher schießen. Gesagt getan: Der Frischling ist erkannt und angesprochen, Vorder- und Hintergelände sind frei, natürlicher Kugelfang vorhanden, keine Hindernisse in der Geschossflugbahn, ich entsichere, die Situation ist unverändert, ich steche ein und gebe einen Schuss ab. Nach dem Schuss lade ich sofort nach und warte eine "Zigarettenlänge" (5-10 Minuten) ab und achte darauf, ob sich der Frischling noch bewegt, oder verendet ist. Als ich diese Situation überstanden hatte sollte ich die Waffe schrankfertig machen, was heißt, dass die Waffe entladen wird und eine erneute Sicherheitsüberprüfung zu erfolgen hat (sichern, brechen, ...). Im Anschluss wird die Waffe im offenen Zustand entsichert und mit gezogenem Abzug geschlossen.
Puhhhh.... Repetierer erfolgreich abgeschlossen.
Nun war der Drilling dran.
PULS auf 180...
Er lag vor mir und ich sollte eine Zustandsbeschreibung machen.
Was ich sehen konnte: Die Schlosse waren gespannt (Signalstifte) und die Waffe stand auf Schrot.
Was ich nicht sehen konnte: Ob die Waffe geladen ist, ob sie gesichert ist und ob sie eingestochen ist.
Zur weiteren Sicherheitsüberprüfung sollte ich die Waffe aufnehmen, ich jedoch wollte die Waffe erst einmal umdrehen, um zu sehen, ob die Waffe gesichert ist oder nicht. Gesagt - getan. Die Waffe war gesichert, ich konnte sie also gefahrlos aufnehmen. Nun ging es wieder los: sichern, brechen, ...
Als ich das auch gemeistert hatte sollte ich an einer Drückjagd teilnehmen, was man heutzutage wohl kaum noch mit einem Drilling macht (was mir die Prüfer auch sagten), aber es half nichts, da musste ich durch. Auf dem Drückjagdbock angekommen, folgte eine erneute Sicherheitsüberprüfung, bevor ich die Waffe laden konnte. In den linken Lauf lud ich ein Flintenlaufgeschoss, in den rechten eine Schrotpatrone und in den Kugellauf, natürlich eine Kugel. Nun kam eine Rotwildfamilie bestehend aus Muttertier, Schmaltier und Kalb. Ich wurde gefragt, welches ich davon im Sinne der Waidgerechtigkeit erlegen würde. Ich entschied mich für das Kalb, so wie wir es gelernt hatten. Gute Entscheidung... Somit sollte ich dieses Kalb beschießen. Ich stellte die Waffe auf Kugel, sagte also wieder meinen Spruch auf. Kalb ist erkannt und angesprochen, Vorder- und ..... Nur, dass ich ohne Stecher geschossen hatte, da ich der Meinung bin, dass man dies auf einer Drückjagd nicht macht. Das Kalb lag. Der Prüfer wollte wohl aber sehen, wie ich die Waffe einsteche und meinte, dass das Muttertier nach wenigen Metern verhofft (wartet). Nun fragte er mich, wie ich in so einem Fall vorgehe. Nach kurzer Überlegung, ob ich mit dem Flintenlaufgeschoss schießen sollte, entschied ich mich für die sicherere Variante: Ich lud den Kugellauf nach. Der Prüfer sagte, sich solle doch bitte mit Stecher schießen...
Nun kam wieder der bekannte Spruch zum Ablauf eines Schussvorgangs inkl. einstechen.
Juhu, das lief bis jetzt ja alles perfekt dachte ich mir. Nun sollte ich die Waffe ebenfalls schrankfertig machen, was eine erneute Sicherheitsüberprüfung zur Folge hatte. Danach stellte ich die Waffe auf Kugel, entsicherte, betätigte beide Abzüge schloss den Drilling leicht, stellte um auf Schrot, betätigte den vorderen Abzug, schloss die Waffe und sicherte die Waffe.
YEAH! Drilling erfolgreich überstanden.
Nun war die Pistole Walther PPK an der Reihe. Sie lag geladen (Signalstift ragte heraus) und mit gespanntem Abzug vor mir. Was ich nicht sehen konnte, ob sie gesichert war und ob sich weitere Patronen im Magazin befanden. Nun drehte ich die Waffe ebenfalls erst einmal um, um zu sehen, ob die Waffe gesichert ist oder nicht. Sie war nicht gesichert, somit sicherte ich die Waffe sofort um eine gefahrlose Sicherheitsüberprüfung durchführen zu können. Den Spruch/Vorgang kennt ihr ja mittlerweile. Alles wie gehabt nur eben ohne Stecher. Nun wurde ich zu einem Wildunfall gerufen und sollte das noch lebende Tier erlösen. Vor Ort angekommen... erneute Sicherheitsüberprüfung und Laden der Waffe. Hier kam es dann zu einem Fehler von mir bzw. der Waffe: Ich lud das AM repetierte den Schlitten um eine Patrone in den Lauf zu befördern, jedoch sind die Übungspatronen schon so ausgenudelt, dass es zu einem Klemmer kam... Ich blieb zum Glück ruhig bzw. wurde nicht noch nervöser, nahm das Magazin aus der Waffe, repetierte die Waffe durch, um die Patrone zu entnehmen, machte eine erneute Laufkontrolle, da man sich ja nie sicher sein konnte, währenddessen lud einer der Prüfer die Patrone wieder in das Magazin. Er übergab mir das Magazin, mit den Worten "Munition passt". Also musste ich keine Kaliberkontrolle durchführen. Magazin rein, Hahn zurück ziehen und bereit war ich um an das angefahrene Stück heranzutreten. Nun kam wieder der bekannte Spruch. Das stück war nun verendet, ich sollte die Waffe entladen und schrankfertig machen. Jetzt nur noch der Revolver... Das werd ich ja wohl auch noch schaffen dachte ich mir.
nun lag der der Revolver der Marke Colt also vor mir. Erneute Zustandsbeschreibung: Der Hahn war gespannt, eine Sicherung, außer einer Fallsicherung, ist nicht vorhanden, ob die Trommel geladen war konnte ich nicht sehen. Nun sollte ich auch diesen aufnehmen. Gesagt getan. Daumen Zwischen Hahn und Patronenlager. Abzug gedrückt und den Hahn per Hand langsam nach vorne geführt. Die Trommel geöffnet und kontrolliert - war nicht geladen. Laufkontrolle und ich war wieder bereit zum laden. Nun hatte ich die Prüfer scheinbar so überzeugt, dass ich die Waffe ablegen konnte und somit die Handhabung bestanden hatte. Was für ein Gefühl!!! :)
Jetzt hatte ich "nur" noch das Schießen vor mir. Um dieses zu bestehen muss man von 4 Schüssen mindestens 3 Schüsse innerhalb der 8 auf der BJV Rehbockscheibe haben. Bei den ganzen Übungen auf dem Schießstand im Voraus hatte ich dies immer geschafft. Trotz der Aufregung müsste ich es also schaffen.
Gut, schnell den Gehörschutz geholt, ab auf die 100 m Bahn, nun wurde ich gefragt mit welcher Waffe ich denn schießen wollte. Ich entschied mich für die Sauer 202. Nachdem ich mich am Stand eingerichtet hatte übergab mir der Prüfer die Waffe, ich wollte erst einmal den Abzug überprüfen um zu sehen, wann der Schuss bei ziehen des Abzugs bricht. Gut, jetzt wusste ich ungefähr, wann der Druckpunkt erreicht ist und der Schuss bricht. Jetzt durfte ich die Waffe laden und einen Schuss abgeben. Gesagt getan - der 1. Schuss traf die "untere" 10. Der Prüfer sagte nur: "ZEHN. Nächster Schuss bitte." Der 2. Schuss im Sitzen schlug zwischen der rechten und oberen Zehn ein. WAHNSINN! Nur noch ein Schuss im Stehen (angestrichen). Also aufstehen, Stuhl zur Seite, Waffe laden und an das Eisenrohr lehnen. Nach kurzem Verharren und suchen des Druckpunktes brach der Schuss ... PENG  Die linke 10 war nur noch eine 0 ;)

DIE PRÜFUNG WAR BESTANDEN und es fiel eine ganze Tonne Steine von mir herab :)
Nach den Beglückwünschungen der Mitgeprüften und des Prüfungsausschusses rief ich sofort meinen Vater an, welcher mir sagte, dass er schon die ganze Zeit auf meinen Anruf gewartet hat. Mittlerweile war es ja auch schon halb 12 und er wusste, dass ich ja schon um 10 Uhr dort sein musste. Ich verkündete ihm voller Stolz, dass ich bestanden habe. An seiner Stimmer hörte ich wie ergriffen er war und konnte meine Tränen ebenfalls gerade so zurückhalten. Klingt jetzt für den ein oder anderen vielleicht komisch, aber es war eben ein sehr emotionaler Moment.

Nun hatte ich also die Prüfungsbestätigung in der Tasche und konnte den Jagdschein holen.
Um 14 Uhr öffnete das Amt ich war jedoch schon um 13:50 dort und konnte um 14:06 meinen Jagdschein in den Händen halten.

Was für ein Tag :)
Bis bald,
Euer Karsten

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